Respekt!

Gestern traf ich mich mit meiner Freundin (die vom Spielplatz) zum wöchentlichen Kaffeeklatsch und musste mir mal wieder anhören, wie schwer es ist, heutzutage in Deutschland einen Job zu finden. Nicht das ich das nicht auch so wüsste, immerhin bin auch ich ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen und meine Erlebnisse dabei sind oftmals nicht in Worte zu fassen. Aber was sie mir erzählte, hätte mir vor lauter Kopfschütteln über solche Unverschämtheiten doch fast ein Schleudertrauma beschert.

Das ca. die Hälfte der angeschriebenen Firmen es noch nicht einmal für nötig hält und eine Antwort bezüglich der Bewerbung zu geben, ist heutzutage schon Standard. Wobei ich dies beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Für mich hat es schlicht und ergreifend etwas mit Respekt gegenüber der bewerbenden Person zu tun, wenn man ihr kurz und bündig ein Feedback gibt. Das muss nicht zeitaufwendig und schon gar nicht kostenintensiv sein. Eine kurze E-Mail nimmt 2 Minuten in Anspruch und kostet nichts. Man zeigt dem Bewerber aber, dass man seine Bewerbung bekommen hat, sie gelesen hat und sich eine Meinung dazu gebildet hat.

Tausende von Menschen sitzen zu Hause und warten sehnsüchtig auf die Chance, in einem Job ihre Fähigkeiten und Qualitäten unter Beweis stellen zu können. An jede einzelne Bewerbung wird sich geklammert, in der Hoffnung, damit den Durchbruch zu schaffen und wieder einen Platz in der Arbeitswelt einnehmen zu dürfen. Da ist keine Antwort zu bekommen schlimmer, als eine Absage.

Letzte Woche bekam meine Freundin ihre Chance. Ein Anruf vom Amt. Eine Schreibkraft wurde als Vertretung in einer Tagesklinik für Orthopädie gesucht. Leider nur ein 400 Euro Job. Aber besser als nichts und ein Anfang. Sie hat sich gefreut wie ein kleines Kind am Weihnachtsabend, dass sie endlich eine Chance bekommt und wieder ins Arbeitsleben einsteigen kann. Am gleichen Tag noch das Vorstellungsgespräch und einen Tag später ging es schon los. Ganze 3 Tage lang. Dann war sie auch schon wieder raus.

Und mit welcher Begründung? Ihre „persönlichen Befindlichkeiten“ würden nicht passen. Wie bitte? Ja – ich will es nochmal deutlicher ausdrücken. Dieser sogenannte „Entscheidungsträger“ in dieser Tagesklinik war der Meinung, dass sie Prioritäten für diesen Job setzen müsste. Entweder der Job, oder die Kinder. Beides war bei diesem Schreibjob (mehr war es nun mal nicht) nicht möglich. Dieser Mensch sprach von ihren beiden kleinen Kindern, wie von einem Gegenstand oder einem Hobby, das man gefälligst in die zweite Reihe verbannen soll, wenn man diesen tollen Job  – vertretungsweise  – übernehmen möchte. Schließlich müsste sie auch mal spät abends arbeiten und die anderen Mitarbeiter könnten sich nicht nach ihr richten.

Welche anderen Mitarbeiter fragt ihr? Na die Ärzte und Therapeuten, die dort angestellt sind. Was die bei der Arbeitszeitabsprache mit einer Schreibkraft zu tun haben, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen. Aber vielleicht fällt bei mir da auch noch der Groschen. Ich bin nicht mehr die Jüngste, da kann das ein oder andere schon mal ein wenig länger dauern.

Beim Bewerbungsgespräch hatte sie ganz deutlich gesagt, das sie alleine ist, kleine Kinder hat und dadurch nicht bis spät abends arbeiten kann. Das sei nun aber nicht das Problem der Klinik, wenn sie das nicht könne.

Meines Erachtens eine Frechheit, wie sie sich da beleidigen lassen musste. Wer oder was gibt diesem Menschen das Recht, so über ihre Kinder zu sprechen und entscheiden zu wollen? Ich betone es gerne nochmal: für einen 400 Euro Job.

Wie ihr euch denken könnt, war sie mehr als geknickt. All ihre Freude über einen neuen Job wurde durch solch einen ungehobelten und kinderverachtenden Menschen kaputt gemacht. Ach ja, und Geld für die 3 Tage hat sie natürlich auch nicht bekommen. Das war „Einarbeitung“. Tja, so kommt man auch zu was.

Meine Freundin hat sich über diese Firma beim Arbeitsamt beschwert. Und das kann ich auch nur jedem empfehlen, dem so etwas schon einmal passiert ist. Nur weil man arbeitslos ist, muss man sich nicht so behandeln lassen.

Respekt anderen gegenüber scheint in Deutschland nicht mehr selbstverständlich zu sein. Da wird gepöbelt und gemobbt bis sich die Balken biegen.

In diesem Sinne: mein größter Respekt gilt allen, die sich in dieser kalten Welt durchschlagen und nicht den Mut und den Glauben an sich selbst verlieren.

Eure Anna

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