Wenn Du noch eine Mutter hast…

Mutterlied

Ich möchte euch heute aus gegebenem Anlass ein wenig Lyrik näher bringen. Eigentlich ist es ein Gedicht. Mein Opi hat es immer auf Familienfeiern gesungen. Als Lied war es stets der größte Wunsch aller Anwesenden. Gerne zu fortgeschrittener Stunde, damit es auch so richtig schön ans Herz geht. Denn dieses Lied (oder Gedicht) hat selbst dem coolsten Zeitgenossen eine Träne ins Knopfloch gezaubert. An seinem 92. Geburtstag hat er es das letzte Mal gesungen. Tagelang hatte er geübt, damit die Finger auch geschmeidig genug waren, um auf seiner Klampfe ein paar Töne dazu zu spielen. 2 Monate später ist er friedlich eingeschlafen. Das Lied hat seither niemand mehr gesungen. Ich finde es sehr schade.  Da ich nicht singen kann, hier nur der Text.

Wenn Du noch eine Mutter hast

Wenn Du noch eine Mutter hast
so danke Gott und sei zufrieden
nicht allen auf dem Erdenrund
ist dieses hohe Glück beschieden.
 
Sie ist Dein Sein, sie ist Dein Werden
sie ist Dein allerhöchstes Gut
sie ist Dein größter Schatz auf Erden
der immer Dir nur Gutes tut.
 
Sie hat vom ersten Tage an
Für dich gelebt, in bangen Sorgen
sie brachte abends dich zur Ruh
und weckte küssend dich am Morgen.
 
Und warst Du krank, sie pflegte Dich
die Dich in tiefem Schmerz geboren
und gaben alle Dich schon auf
die Mutter gab Dich nie verloren.
 
Wenn Du noch eine Mutter hast
dann sollst Du sie in Liebe pflegen
dass sie dereins ihr müdes Haupt
in Frieden kann zur Ruhe legen.
 
Und hast Du keine Mutter mehr
und kannst Du sie nicht mehr beglücken
so kannst Du doch ihr frühes Grab
mit frischen Blumenkränzen schmücken.
 
Ein Muttergrab, ein heilig Grab!
Für Dich die ewig heil´ge Stelle!
Oh, wende Dich an diesen Ort,
wenn Dich umtobt des Lebens Welle.
 
 
Friedrich Wilhlem Kaulisch (1827-1881)

In diesem Sinne: Mir fehlen ausnahmsweise mal die Worte.

Eure Anna

Reisevorbereitungen

Reisevorbereitungen

Seit Wochen bin ich auf der Suche nach der perfekten Urlaubsreise. Es soll Ende August nach London gehen. Nicht weiter aufregend, denn da fahre ich ständig hin. Aber bei dieser Reise ist alles anders. Sie wird länger als drei Tage dauern und Sohnemann begleitet mich das erste Mal in meine Lieblingsstadt. Und da gilt es, den perfekten Flug und die perfekte Wohnsituation zu finden.

Wenn ich alleine in London unterwegs bin, ist mir die Unterkunft so ziemlich wurscht. Da habe ich ein paar Hotels, die ich immer wieder ansteuere. Alles sehr einfache, aber strategisch günstig liegende Objekte. Das Motto lautet dabei immer: Back too the Roots. Schließlich schlafe ich da nur und bringe mein schwer verdientes Geld lieber bei einem tollen Einkauf unter die Leute, als dieses in irgendein pompöses Hotelzimmer zu investieren. Die Zimmer sind dann zwar immer winzig klein, das Bad eine Zumutung und über das Frühstück will ich gar nicht erst Worte verlieren…. Alles egal, ich esse dort eh nicht sondern gehe lieber lecker in einem schönen Café frühstücken.

Doch nun ist Sohnemann im Gepäck. Und da fallen einige Dinge in die Kategorie „hier muss was beachtet werden“. Das geht schon beim Flug los. Sein Erster. Da kann es nicht wie gewöhnlich die erste Maschine am Tag sein, denn wir müssen nach Berlin zum Flughafen. Und ihn morgens halb drei aus dem Bett prügeln, weil unser Transport Richtung Flughafen vor der Tür wartet, verspricht keinen guten Start in einen entspannten Urlaub. Also erst die Mittagsmaschine. Was uns zwar ein paar wertvolle Stunden in London kosten wird, aber Schwamm drüber. Dafür bleiben wir länger. Und dann das Thema Unterkunft. Was nehmen wir da am besten? Ein Hotel? Ein Apartment? Wie viel Sterne? Very Britisch oder Modern? Buche ich über Internet oder doch im guten alten Reisebüro?

Ich kann euch sagen, mir qualmt der Kopf vom vielen hin- und her überlegen und durchkalkulieren. Sohnemann schläft früh gerne ein paar Minuten länger. Eine tolle Sache, denn Mutti ist im Urlaub auch nicht schon 7 Uhr auf den Beinen. Ein Apartment wäre darum ganz toll, da man dort Selbstverpflegung hat und so lange schlafen kann wie man möchte. Mit eigener Küche und allem drum und dran. Und was bei den von mir favorisierten Apartments noch toll ist, ist der Eichenfussboden. Denn Sohnemann ist Allergiker. Da freue ich mich über jede teppichfreie Zone. Leider sind die Apartments im bezahlbaren Bereich sehr klein. Bett, Schrank, Singleküche, fertig. Kein Platz zum Spielen. Und wenn das Wetter mal nicht so toll sein sollte…. In einem meiner sonst bevorzugten Hotels kann man eine Suite mieten. Klingt auf jeden Fall größer. Hat aber wiederum den Nachteil, dass man keinen Kühlschrank hat, um sich selbst zu versorgen. Dafür einen kleinen Balkon und den verhassten Teppichboden. Balkon – toll, Teppichboden – mist. Beide Angebote sehr günstig gelegen. Drei Supermärkte, etliche Restaurants, zwei U-Bahn Stationen, der Spielplatz samt Kensington Gardens – alles praktisch vor der Tür.

Nun heißt es, alle Vor- und Nachteile abzuwägen und die richtige Entscheidung zu treffen. Beide Angebote kann ich über das Internet und auch über das Reisebüro buchen. Vom Preis her ist fast kein Unterschied zu finden. Dafür kann ich im Internet bis 24 Stunden vor Reiseantritt kostenlos stornieren. Was mich eher zum Internet tendieren lässt.

Ihr seht, Mutti muss sich noch viele Gedanken machen, um den perfekten Urlaub mit meinem kleinen Süßen verbringen zu können.

In diesem Sinne: Es rattert und rattert in meinem Kopf…

Eure Anna

Vor langer, langer, Zeit…

Vor langer, langer Zeit…

als Anna noch jung und dynamisch, kinderlos und fest angestellt war, arbeitete ich als Augenoptiker bei einer großen Warenhauskette. Die Bezahlung war gut und die Annehmlichkeiten, die man als Mitarbeiter einer solchen Kette hatte, waren auch nicht von der Hand zu weisen. Kurz gesagt, ich hätte es schlechter treffen können. Heute sieht das anders aus. Wer dort noch arbeitet, hat es ziemlich schlecht getroffen. Die Annehmlichkeiten gehören genauso der Vergangenheit an, wie die gute Bezahlung.

Aber damals…

Hier einfach mal ein paar lustige Episoden aus dieser Zeit.

Im Haus gab es eine Abteilungsleiterin, die in ihrer Abteilung nicht wirklich beliebt war. Es mag an ihrem autoritären Führungsstil gelegen haben. Eines Tages war sie auf der Toilette und hatte ausversehen ihren Rock hinten in die Strumpfhose gesteckt. Ein sehr lustiger Anblick. Einerseits fiel sie figurtechnisch nicht unter die Magermodels, andererseits konnte ihre Unterhose auch nicht mit den Modellen von Victoria Secret mithalten. Natürlich hatte niemand den Willen und den Mut, ihr von diesem kleinen Fauxpas zu erzählen und die unweigerlich folgenden peinliche Auftritte zu ersparen. Und wie es kommen musste: Sie ging in dieser Aufmachung in den Verkauf und sorgte dort für viel Gesprächsstoff. Bis ein Kunde sie auf ihren doch recht ungewöhnlichen Kleidungsstil hinwies. Dass sie mehr als sauer war, muss ich sicherlich nicht betonen.

Abteilungsleiterbesprechung im Haus: Alle saßen im Schulungsraum, es gab Häppchen und flüssige Köstlichkeiten. Die Häppchen waren unter anderem mit Ei garniert. Die damalige Ausbildungsleiterin hatte ein kleines Defizit im Bereich des Mundraumes. Ihre Zähne waren recht krumm, sodass sich dort gerne mal der ein oder andere Essensrest häuslich einrichtete. Das Unglück nahm seinen Lauf und es kam auch hier wie es kommen musste: Besagte Dame biss herzhaft in ihr Eihäppchen und das Ei „verhedderte“ sich in ihrem Zahnzwischenräumen. Sah nicht ganz so dolle aus. Und auch da hatte niemand den nötigen Respekt und Anstand, sie darauf hinzuweisen. Lieber wurde sich erst einmal köstlich darüber amüsiert. Außerdem hatte man dann zu Mittag auch ordentlich was zu erzählen.

Kennt ihr das auch? Man sieht bei Anderen irgendwas Peinliches und ganz unbewusst checkt man diese Stelle an sich selbst nach Fehlern ab? So geht es mir auf jeden Fall. Hosenstall, Krümel im Gesicht…

Und dann hätte ich noch Inez mit dem „S“ Sprachfehler. Leicht dominante Erscheinung mit Hang zum Damenbart und einem bösen zischen beim Sprechen. Ich habe immer gebetet, dass sie nicht zu mir kommt, wenn was mit ihrer Brille nicht stimmte. Denn das tat schon mächtig in den Ohren weh. Außerdem hat man immer automatisch auf diesen Flaum über der Oberlippe gestarrt. Und man weiß ja nie. Die Frau wog mindestens 20 kg mehr als ich…

Was darf natürlich in keinem Unternehmen fehlen? Die Liebschaften. Da wurde dann auch liebend gerne auf die sonst sehr geachteten Hierarchien verzichtet. Wenn irgendwo was ging, dann ging das auch. Egal wer da mit wem zu tun hatte. Gerne auch mal im Lager oder vor Geschäftsöffnung auf der Waschmaschine im Verkauf.

Um auch noch was Positives zum Schluss  anzumerken: Die Betriebsfeiern waren immer der Höhepunkt eines jeden Jahres. Die Geschäftsleitung ließ sich da nicht lumpen und stellte immer reichlich Geld für die Organisation zur Verfügung. Ob das jetzt noch so ist, bezweifle ich. Denn wie jeder weiß – die Zeiten ändern sich.

In diesem Sinne: Fortsetzung folgt

Eure Anna