Ich warte und warte…- eine Wartezimmerstudie

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen scheint das verschönern von Wartezimmern zu sein. Mit meiner Anwesenheit selbstverständlich. Anders kann ich es mir nicht mehr erklären, warum ich sonst jede Woche mindestens drei Stunden genau in solchen verbringe. Auf meinen Sohn wartend. So wie in diesem Moment auch.

Heute beglücken wir unseren Logopäden mit unserer Anwesenheit und bringen dadurch ein wenig Glanz in seine bescheidene Hütte. Leider sind die Aktivitäten bei solchen Besuchen immer sehr ungerecht verteilt. Mein Sohn hat Spaß und wird ausgiebig bespielt, während ich draußen auf das Wartezimmer aufpasse, damit es niemand klaut. Nun gut, viel zu klauen gibt es da nicht. Standardbestuhlung und Standardlektüre. Fertig. Beides abgegriffen, vollgeniest und nicht mit aktuellem Datum versehen. In einem tollen Plastikständer werden diverse Ausgaben an Frauenfachzeitschriften präsentiert, schön bunt und mit vielen Bildern versehen, um der meist weiblichen Leserschaft das Geschriebene mit aussagenkräftigen Bildern noch näher zu bringen und den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Nun ja, einen angenehmen Aufenthalt stelle ich mir anders vor. Aber das ist ja Geschmackssache. Die Lektüre fordert meinen geistigen Horizont nicht wirklich zu Höchstleistungen heraus, da mich weder interessiert, wer mit wem in Promiland was macht, noch verspüre ich den Drang, mir von fremden Frauen(zeitschriften) mit solch wohlklingenden Namen wie Brigitte, Sabrina oder Petra fachmännisch – oder in diesem Falle fachfraulich – erklären zu lassen, was mir in der kommenden Saison besonders gut steht oder welche Diät meine Bikinifigur am Besten in Szene setzt. Von Frau zu Frau sozusagen. Nein Danke. In solchen Dingen vertraue ich mir nur selbst, damit bin ich bis jetzt immer am besten gefahren.

Da dort also nicht viel zu erwarten ist, was mich weiterbildet und mir einen schöpferischen Input gibt, habe ich selbst die Teppichmuster in den betreffenden Wartezimmern inzwischen gründlichst inspiziert und gedanklich diverse Untersuchungen am benannten Bodenbelag durchgeführt. Hat nichts gebracht. Weder ist mein Aufenthalt dadurch spannender geworden, noch hat es etwas an der Tristes der Räume geändert.

Ich musste also umdisponieren und selbst für Kurzweil sorgen. Und das habe ich nun auch, wie ihr sehen könnt. Ich schreibe nämlich jetzt auch hier. Ja, und das sehr ausführlich. Zwar hat mein Handgepäck dadurch dramatisch an Umfang gewonnen – schließlich müssen einige Utensilien dafür zusätzlich transportiert werden – aber ich habe zu tun und die Zeit vergeht. Das ist doch alles, was zählt. Oder?

In diesem Sinne: lasst euch die Zeit nicht zu lang werden.

Eure Anna

Allgemein

6 Gedanken zu “Ich warte und warte…- eine Wartezimmerstudie

  1. Wow, super, hast Du so einen Mini-Laptop? Hach, ein Traum … Würde ich auch machen, den überall hin mitschleppen! 🙂 Dann mal: fröhliches Weiter-Warten!
    LG lola

  2. Hi Süße,

    war auch gerade auf deiner Seite. Grins.
    Ja, ich habe mir inzwischen ein paar technische Neuerungen zugelegt. Da ich so viel unterwegs bin und immer tausend Gedanken im Kopf habe, hilft mir das sehr gut, die auch umzusetzen und niederzuschreiben. Wenn du was kleines und handliches brauchst – was auch bezahlbar ist – kann ich dir vielleicht was empfehlen.

    Liebe Grüße
    Anna

  3. Hach, ich bin wieder mal begeistert!
    Wie Du es schaffst, selbst aus einer öden Warterei einen kurzweiligen Beitrag zu machen … Respekt!
    (Ich selbst warte immer nur und warte und starre so vor mich hin … notiere mir allenfalls Gedankensplitter für meine Projekte … manuell in eine Kladde übrigens … aber dann starren mich die anderen Wartenden so an, dass ich es bald wieder sein lasse.)
    Auf dass Dir die Wartezeit nie lang vorkommen möge! LG Nora

  4. Liebe Nora,

    wenn man soviel warten muss wie ich, muss man was unternehmen, um nicht einzuschlafen. Grins. Schreib doch ruhig weiter deine Gedanken auf und lass dich nicht von den anderen stören. Für dich ist es wichtig und was die anderen denken ist völlig egal. Ich schreibe auch immer und überall.

    Liebe Grüße und einen sonnigen Tag
    Anna

  5. Hallo Anna!
    Jaja die Wartezimmer bei Kinderärzten sind immer irgendwie gleich, grins.Allein die Farben, da frag ich mich haben die sparen müssen oder soll“s mich beruhigen. Letzteres ist wahrscheinlicher, man hat ja so viele besorgte Gedanken.
    Die Hefte teils ein graus, man(n) will ja nicht jetzt und hier wissen, was alles für schöne Krankheiten und Fehler, Kind und Papa haben kann.
    Drum versuch ich immer wenn möglich ein Nickerchen zumach auch wenn die Blicke anderer Mütter auf der Haut brennen, lg und grins.
    Liebe Grüsse!

  6. Respekt, wenn du bei dem Krach dort Ruhe findest. Bei unserer kinderärztin musst du immer aufpassen, das dir keiner über die Füße fährt. Lach.

    Liebe Grüße
    Anna

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