Es läuft (fast) wieder

Ich habe als Internetzugang nur einen Stick. Ihr wisst schon. So mobiles Internet. Steckst du rein in eine USB Buchse und los geht’s. Da ich bei der Telekom keinen Anschluss mehr habe, war dies die preiswerteste Lösung. Ich brauche keine super schnelle Leitung, die normale handelsübliche Geschwindigkeit reicht vollkommen aus. Also alles bestens mit dem Stick und sehr bequem. Denn ich kann ihn zusätzlich überall mit hinnehmen und muss mich unterwegs nicht in fremde Netze einwählen. Aber manchmal gibt es doch ein kleines Problem. Ein klitze kleines. Wenn ich nämlich doch mal mehr mache und eine gewisse Anzahl an GB gedownloadet habe, dann drosselt der Anbieter die Geschwindigkeit bis zum Monatsende und es geht fast nichts mehr. Wenn ich dann eine Seite öffnen möchte, dauert das ewig. Schneckentempo. Ein 56K Modem ist ein Schnellzug dagegen. Jetzt hatte es mich wieder erwischt. Der März war lang, ich hatte einige Konzerte von Depeche Mode aus dem Netz gezogen (keine Panik, nichts illegales) und schon hänge ich seit 5 Tagen ganz schön in den Seilen. Nichts geht mehr. Heute Morgen dachte ich schon, dass ich es überstanden hätte. Irgendwie kam mir alles so schnell vor. Aber ich muss meine Hoffnung wohl doch noch ein wenig zurück stellen. Alles noch beim alten. Aber morgen beginnt ein neuer Monat – hoffentlich auch wieder mit neuer Geschwindigkeit und dann läuft die Maschine auch wieder auf Hochtouren.

Darum möchte ich allen, die ich in den letzten paar Tagen ein wenig vernachlässigt habe, ein großes SORRY sagen. Ich konnte einfach nicht. Vielleicht muss ich mir für solche „Ausfälle“ mal noch einen Prepaid Stick holen. Den ich dann zur Not einsetzen kann, um flüssig weiterarbeiten zu können. Das macht mich sonst ganz nervös.

In diesem Sinne: ich bin bald wieder richtig da.

Eure Anna

Mein Sohn wird selbständig

Mein Kleiner hat heute seine erste eigene – komplette – Bestellung bei MC Donalds aufgegeben. Nun fragt ihr euch vielleicht, warum mir dies eine Meldung wert ist. Ganz einfach: für ihn ist es ein riesen Schritt. Durch seine Sprachprobleme und seinen leichten Autismus ist es schwierig für ihn, mit fremden Menschen zu kommunizieren. Zum einen verstehen ihn „nicht eingeweihte“ nur sehr schlecht. Zum anderen kann er keinen Blickkontakt halten, was das Verstehen noch schwieriger macht. Durch seine Größe wird sowieso immer mehr von ihm erwartet, als er zu leisten im Stande ist. Ich sage es immer so: er sieht aus wie sieben, ist laut Geburtsurkunde fünf und hat den Entwicklungsstand eines dreijährigen. Eine Barbecue Soße bestellen geht immer. Das Wort versteht jeder. Komplexere Dinge werden meist ein Problem. Darum war dies heute eine Höchstleistung für ihn. Ein dickes Dankeschön an die geduldige Frau hinter dem Tresen. Mein Kleiner hat sich gefreut wie Bolle. Mutti auch.

In diesem Sinne: heute mal mit einem Ausspruch meines Sohnes. „Mamma, MC Donalds versteht immer, was Menschen brauchen, stimp?“

Eure Anna

Master and Servant

Gerade sitze ich über meinem Einkaufszettel für die nächste Woche, als mir wieder die Bilder vom letzten Einkauf in den Sinn kamen. Denn da habe ich was erlebt – ich muss es euch unbedingt berichten.

Ein älteres Ehepaar fiel mir auf. Er hieß Heinz, ihren Namen habe ich nicht verstanden. Sie nur so hoch wie ein Stuhl, dafür mit Kasernenton ausgestattet und vom Gang  aus Heinz dirigierend, der zwischen den Regalen herum sprang und ihre Befehle ausführte. Ein Bild für die Götter. Denn oftmals tat Heinz das nicht zu ihrer vollsten Zufriedenheit, sodass er nochmals los musste, um den gewünschten Artikel zu suchen.

Da das für mich so skurril war, habe ich die beiden ein wenig im Auge behalten. Sowas bekomme auch ich nicht jeden Tag geboten. Heinz brachte weiße Eier, seine Frau wollte aber braune. Also ging Heinz wieder zurück, suchte braune Eier und zeigte diese seiner Frau. Die wiederum waren aber nur aus Bodenhaltung, Madame wünschte aber Freilandeier. Also Heinz wieder Retour und auf der Suche nach brauen Freilandeiern. Und so ging das mit allen Dingen. Ob Joghurt, das Brot oder die Äpfel, Heinz brachte nie das Richtige und seine Holde, sehr erbost darüber, forderte ihn mit lauter und eindringlicher Stimme auf, dies zu korrigieren. Sie selbst hielt sich natürlich nur im Gang auf und am Wagen fest. Vielleicht hatte sie ja Angst, dass dieser umkippen könnte.

Heinz hatte einfach nichts zu lachen. Immer nur Feuer von seiner Angetrauten. Und wer sich in aller Öffentlichkeit schon so gibt, wird in den heimischen vier Wänden sicherlich nicht anders sein. Er tat mir richtig leid. Ich hätte ihm am liebsten über den Kopf gestreichelt und einen Keks gegeben, war mir aber nicht sicher, ob das erlaubt war. Denn der strenge Ton und der forsche Auftritt der Frau gaben mir schon zu Denken. Hatte ich es hier eventuell mit einer Domina im Ruhestand zu tun? Wenn nicht, kann ich ihr nur sagen, dass sie ihren Beruf verfehlt hat. Denn als Domina wäre sie perfekt gewesen.

Mir kam da auch gleich wieder ein Song von meiner Lieblingsband in den Sinn: Master and Servant von Depeche Mode. Ja, ein alter Gassenhauer aus dem Jahre 1984 und zu meiner großen Freude auf der gerade zu Ende gegangenen Tour nach vielen Jahren wieder live gespielt. Was ich alles mit dieser Musik verbinde. Ich kann es euch gar nicht alles sagen. Es würde den Rahmen hier deutlich sprengen. Aber wahrscheinlich werde ich in nächster Zeit des öfteren diese Band in meinen Berichten erwähnen. Sie haben es einfach verdient und mein Leben entscheidend beeinflusst und geprägt…

Ok, ich schweife ab. Sorry. Aber genau das, was in diesem Song der geniale Martin Gore verewigt hat, erlebte ich in diesem Moment. Als ich zu Hause ankam, legte ich auch gleich mal die lange Rille davon auf und lachte mich kaputt über das soeben erlebte.

In diesem Sinne: Let´s play Master and Servant

Eure Anna

Der Sammler

Er ist mir schon oft aufgefallen. Ein Mann mittleren Alters, immer in abgetragener Kleidung, Zauselbart und sehr ruhig. Sein ständiger Begleiter: ein Handwagen. Vom ersten Eindruck her niemand, den man gerne anspricht oder von dem man gerne angesprochen werden möchte. Oft sehe ich ihn, wenn ich meinen Sohn in den Kindergarten bringe. Um die doch recht frühe Zeit ist er schon unterwegs und dreht seine Runde. Eine Runde, die sehr groß ist. Er liest das auf, was anderen nichts mehr wert ist und achtlos weggeworfen wurde. Gläser, Flaschen, Schrott und alte Kleinteile. Alles, was ihm ein wenig Geld einbringt und dabei hilft, sein karges Leben ein wenig schöner und lebenswerter zu machen. Ja, auch solche Menschen gibt es. Die nichts – aber auch gar nichts mehr haben und vom Abfall der anderen leben müssen.

Heute Morgen habe ich ihn beim Bäcker getroffen. Dort hat er sich Brot vom Vortag abgeholt. Zum halben Preis. Für ihn ein Festmahl. Die nette Bäckersfrau packt es ihm immer gut ein, damit es nicht so schnell trocken wird. Als er das Geschäft verlies, erzählte sie mir ein wenig über ihn. Er hat wohl irgendwo eine kleine Wohnung, lebt aber sehr zurückgezogen. Weil die Leute ihn immer so schlecht behandelt haben. Er war nicht immer ein Außenseiter, aber die Umwelt hat ihn wohl dazu gemacht. Niemand versteht, warum er diese Dinge sammelt. Alle finden das asozial. Für ihn ist es ein kleiner Zuverdienst. Und er fühlt sich verantwortlich. Denn durch sein sammeln würde er schließlich auch dazu beitragen, dass die Straßen ein wenig sauberer sind. Und das ist wiederum sein Beitrag für die Stadt, in der er lebt.

Ich habe mir vorgenommen, ihn nicht mehr zu ignorieren. Denn er tut mir leid und ich kann ihn nun verstehen. Wenn ich ihn das nächste Mal sehe, werde ich ihn wenigstens anlächeln. Ein großer Schritt für mich. Ich hoffe er erkennt das.

In diesem Sinne: armes Deutschland

Eure Anna

Der Frühling schlägt zu

Oder aus. Kommt drauf an, von welcher Seite man es betrachten will. Mir schlug er kräftig ins Auge. Und zwar von der ganz hässlichen Seite. Eigentlich ist es jedes Jahr das Gleiche. Kaum steigen die Temperaturen über den Gefrierpunkt, zeigt sich nicht nur die Sonne in ihrer ganzen Pracht und verwöhnt uns, sondern wir müssen uns auch wieder mit anderen skurrilen Irrtümern von Mutter Natur herumschlagen. Gerade eben ist mir wieder solch ein Irrtum über den Weg gelaufen. Um die 40 Jahre alt, weiblich – und – angezogen wie eine 16-jährige. Wenn das nicht schon schlimm genug wäre, war sie zu meinem Leidwesen auch nicht gerade den Temperaturen entsprechend gekleidet. Das Thermometer zeigt schattige 18 Grad an und besagte Dame trägt nur ein Trägertop. Und wie das so mit Tops ist, es ist recht kurz und eng. Was bei einer Kleidergröße 42 (zu ihren Gunsten geschätzt) nicht wirklich vorteilhaft wirkt. Der blasse und leicht wabbelige Bauch schaut genau so raus wie das inzwischen in die Jahre gekommene Tatoo auf der Schulter, an denen sich nahtlos die Bad Wings anschließen. Durch die zu enge und auch zu dünne Hose kann man problemlos die Cellulitis erahnen und die Schuhe wirken auch nicht so, als ob sie besonders bequem wären und lange Fußmärsche überstehen würden. Das ganze Ensemble wurde mit einer pinkfarbenen Tasche gekonnt in Szene gesetzt. Wenn der Frühling solche Blüten zum Vorschein bringt, dann wünsche ich mir ganz schnell den Frühling zurück.

Was bitte schön ist denn da schief gelaufen? Hat sie beim Frühjahrsputz ihren Spiegel mit entsorgt, oder liegt es gar daran, dass die Pupille inzwischen ein wenig trüber ist und das nah sehen nicht mehr so gut klappt? Vom Alter her würde das passen. Muss man das seiner Umwelt antun? Alle lachen drüber? Die jungen Menschen, weil sie es peinlich finden, wie man sich in dem Alter noch so kleiden kann, und die älteren, weil sie sich dafür schämen. Was ist so schlimm daran, sich seinem Alter und vor allen Dingen seiner Kleidergröße entsprechend zu kleiden? Es gibt so tolle Kleidung, für jeden Geschmack und jede Altersgruppe. Warum versuchen wir, krampfhaft irgendwelchen Epochen in unserem Leben hinterher zu laufen, anstatt das Leben so zu nehmen, wie es ist? Jedes Alter hat seine schönen Seiten. Wenn man denen aber nicht die Chance gibt, sich zu entfalten, dann kann man sie auch nicht kennen und schätzen lernen.

In diesem Sinne: nehmt das Leben so wie es ist und geniest es.

Eure Anna

Sandkastenbeobachtungen

Gemischtes Publikum heute auf der Baustelle Sandkasten. Da gibt es die Tiefbauer, die Löcher buddeln, so groß, das ein Haus reinpasst. Dann die Architekten mit ihren Burgen und Gräben. Und ganz zum Schluss die, die sich nicht dafür interessieren und ihre volle Aufmerksamkeit den vorhandenen Klettermöglichkeiten widmen.

Heute habe ich sage und schreibe 53 Kinder plus Anhang auf unserem Spielplatz gezählt. Der Frühling macht´s möglich. Alle haben einen gesteigerten Bewegungsdrang und strömen ins Freie. Was für mich aber immer besonders interessant ist, sind die Begleitpersonen. Meist trifft es die Mütter, die mit auf das Schlachtfeld müssen und aus einiger Entfernung das Geschehen dirigieren und im Notfall helfend zur Seite stehen. Vereinzelt kann man den einen oder anderen Vater entdecken, der natürlich wohlwollend von der weiblichen Kastenumrandung wahrgenommen wird und sich einer ständigen Beobachtung ausgesetzt sehen kann. Ist halt eine seltene Pflanze.

Neue Spielplatzbesucher sitzen alleine und ein wenig abseits auf einer Bank, wogegen sich der harte Kern gruppenweise und mit kulinarischen Highlights ausgestattet zusammengefunden hat. Gegen 18 Uhr ist allgemeine Aufbruchsstimmung und der Spielplatz leert sich recht zügig. Um am nächsten Nachmittag wieder Sammelplatz für interessante Beobachtungen zu werden.

In diesem Sinne: Schippe und Eimer ahoi.

Eure Anna

Des Einen Freud – des Anderen Leid

Das Pfund schwächelt. Nein, nicht das Pfund als Maßeinheit (Gewicht), das ist geeicht und unterliegt keinen Schwankungen, sondern das Englische. Offizielles Zahlungsmittel im Vereinigten Königreich und mit dem Counterfeit unserer allseits bekannten und geschätzten Königin Elisabeth II. versehen. Ich beobachte das nun schon seit vielen Monaten und konnte diesen positiven Umstand inzwischen mehrmals zu meinen Vorteilen nutzen. Positiv natürlich nur für ausländische Investoren. Ich investiere sehr gerne in England. Bin nämlich ein großer Fan dieser Insel. Mein Rückzugsort. Am liebsten investiere ich in die Textilindustrie. Typisch Frau halt. Mehrmals im Jahr ziehe ich mich dorthin zurück, erhole mich und tanke neue Kraft. Meine Lieblingsstadt ist natürlich London. Ich bin ein Kind der Stadt. Für mich bedeutet Erholung, wenn ich in Kaffees und Parks sitzen kann, wenn ich lesen und schreiben kann wann und wo ich möchte, wenn ich unzählige Möglichkeiten zum Essen vorfinde und einfach sein kann, wie ich bin. All das und noch viel mehr bietet mir London.

Nun habe ich gelesen, dass ganz gewiefte Börsianer darauf spekulieren, dass das Pfund noch weiter fällt. Ich bin mal gespannt. Mein nächster Trip ist schon gebucht und ich hoffe inständig, einen verbraucherfreundlichen Kurs vorzufinden. Ob man wirklich auf einen noch besseren Kurs hoffen darf, bezweifle ich. Aber ich behalte das Ganze im Auge und schaue jeden Tag nach dem Rechten. Um im entscheidenden Moment, bei einem weiteren deutlichen Ausschlag in positive Richtung, zuschlagen zu können und einige meiner schwer verdienten Euronen in Inselgeld tauschen zu können.

In diesem Sinne: immer schön wachsam bleiben.

Eure Anna

Mama, Du musst ganz dolle pusten

Jede gestandene Mutter kennt das. Einmal im Jahr – irgendwie immer kurz vor Ostern – klopft mein persönlicher Albtraum an die Tür. Oder, um korrekt zu sein, er stand an der Tür des Kindergartens meines Sohnes. „Liebe Eltern (also ich), bitte geben Sie ihrem Kind 4 ausgeblasene Eier mit. Wir möchten eine kleine Osterüberraschung basteln. Das Kindergartenteam“

Nun habe ich bei solchen Dingen immer schwer mit Motivationsproblemen zu kämpfen. Zum Einen, weil ich keine Lunge wie ein Leistungssportler habe und beim ausblasen von Eiern somit auch schnell konditionell an meinem Limit angekommen bin. Zum Anderen, weil ich nicht wirklich nachvollziehen kann, warum man im Kindergarten leere Eierschalen bemalen muss, die meist den Transport ins heimische Wohnzimmer nicht überstehen. Denn seltsamer Weise sind die Umverpackungen, in denen man die Eier unbemalt im Kindergarten abgegeben hat, auf einmal nicht mehr vorhanden. So, und dann transportiert die Dinger mal nach Hause. Mit den Fahrrad. Nicht so einfach. Nun ja, was will man machen, da muss man durch. Die letzten 2 Jahre hat meine Mama diesen Job übernommen und wunderbare Eierschalen abgeliefert. In diesem Jahr muss ich leider selber ran, da meine liebe Mama krank ist und somit nicht zur Verfügung steht.

Das Abendbrot war somit gebongt. Rührei, was sonst. Ich habe mich dann auch gleich an die Herstellung der geforderten Ware gemacht. Frisch gestärkt, meinen Kleinen vor dem Fernseher geparkt (er sollte ja von meinem Anblick in unvorteilhafter Haltung keine bleibenden Schäden davon tragen)und die zu bearbeitenden Objekte auf dem Küchentisch aufgereiht, ging es los. Das erste Ei zerbrach schon bei dem Versuch, die zwei benötigten Löcher reinzupickern. Toller Start. Das baut mich auf und spornt mich ungemein an. Ins zweite Ei bekam ich wenigstens die Löcher, ich zerdrückte es aber beim ausblasen. Bingo. Zum Glück hatte ich eine große Packung.

Ich machte mir darauf hin erst mal einen Tee. Nerven beruhigen und Lunge stärken. Das nächste Ei klappte dann ganz gut. Meine Lunge hing zwar jetzt auf halb zwölf, aber das Ei war leer. Und ganz. Na bitte. Nach jedem Ei brauchte ich nun eine längere Pause, um meine Lungen wieder auf Normal zu trimmen und meine Augen wieder in die dafür vorgesehenen Höhlen zu verfrachten.

Durch die Geräusche, die unweigerlich bei dieser Tätigkeit entstehen, fühlte sich mein Sohn natürlich angesprochen, genau diesen mal auf den Grund zu gehen. Im Moment spielt er gerne Detektiv und schleicht sich immer an. „Mama, was machst du da?“, und schon stand er neben mir. „Oh Süßer, ich mache was für deinen Kindergarten. Ihr wollt da was basteln, und da muss ich ein paar Eier für ausblasen.“ „Mama, da musst du ganz dolle pusten“, hat mir mein Kurzer dann noch mit auf den Weg gegeben. „Guck, so wie ich“ und Nieselregen ging auf meiner Arbeitsplatte nieder.

Die Geräusche, vor allen Dingen das Finale, sind fast durch nichts an Peinlichkeit zu übertreffen. Mein Gesichtsausdruck beim Kampf mit den Objekten sicherlich auch nicht.

Ich brauchte 8 Eier, um die geforderten 4 herzustellen. Geht doch.

In diesem Sinne: immer schön dolle pusten.

Eure Anna

Mau, Mau

Mau Mau

Ich kann es selbst kaum glauben, aber mein Sohn, 5 Jahre alt, hat mich gerade mächtig beim Mau Mau spielen abgekocht. 8:2 hat er mich geschlagen. Mir fehlen die Worte. Er muss heimlich geübt haben. Einen anderen Grund lasse ich nicht zu. Denn wenn ich an unsere letzten Spiele denke, hatte er selbst bei den einfachsten Zügen massive Schwierigkeiten.

Vielleicht liegt es auch an den Karten. Spongebob und seine Freunde. Ich glaube, ich muss nichts weiter dazu erklären. Farblich recht nahe an einer Körperverletzung. Mit seltsamen Sonderkarten ausgestattet. Hat recht wenig mit dem handelsüblichen Mau Mau zu tun, das ich sonst mit Skatkarten spiele.

Nun ja, was soll ich sagen. Vielleicht liegen die ihm besser in der Hand. Ich werde mich wohl heute Abend ein wenig damit beschäftigen müssen, bevor er noch im Kindergarten rum erzählt, das seine Mama so „babyleichte“ Sachen nicht kann.

In diesem Sinne: Eine Runde STOP für Mutti

Eure Anna

Ich warte und warte…- eine Wartezimmerstudie

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen scheint das verschönern von Wartezimmern zu sein. Mit meiner Anwesenheit selbstverständlich. Anders kann ich es mir nicht mehr erklären, warum ich sonst jede Woche mindestens drei Stunden genau in solchen verbringe. Auf meinen Sohn wartend. So wie in diesem Moment auch.

Heute beglücken wir unseren Logopäden mit unserer Anwesenheit und bringen dadurch ein wenig Glanz in seine bescheidene Hütte. Leider sind die Aktivitäten bei solchen Besuchen immer sehr ungerecht verteilt. Mein Sohn hat Spaß und wird ausgiebig bespielt, während ich draußen auf das Wartezimmer aufpasse, damit es niemand klaut. Nun gut, viel zu klauen gibt es da nicht. Standardbestuhlung und Standardlektüre. Fertig. Beides abgegriffen, vollgeniest und nicht mit aktuellem Datum versehen. In einem tollen Plastikständer werden diverse Ausgaben an Frauenfachzeitschriften präsentiert, schön bunt und mit vielen Bildern versehen, um der meist weiblichen Leserschaft das Geschriebene mit aussagenkräftigen Bildern noch näher zu bringen und den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Nun ja, einen angenehmen Aufenthalt stelle ich mir anders vor. Aber das ist ja Geschmackssache. Die Lektüre fordert meinen geistigen Horizont nicht wirklich zu Höchstleistungen heraus, da mich weder interessiert, wer mit wem in Promiland was macht, noch verspüre ich den Drang, mir von fremden Frauen(zeitschriften) mit solch wohlklingenden Namen wie Brigitte, Sabrina oder Petra fachmännisch – oder in diesem Falle fachfraulich – erklären zu lassen, was mir in der kommenden Saison besonders gut steht oder welche Diät meine Bikinifigur am Besten in Szene setzt. Von Frau zu Frau sozusagen. Nein Danke. In solchen Dingen vertraue ich mir nur selbst, damit bin ich bis jetzt immer am besten gefahren.

Da dort also nicht viel zu erwarten ist, was mich weiterbildet und mir einen schöpferischen Input gibt, habe ich selbst die Teppichmuster in den betreffenden Wartezimmern inzwischen gründlichst inspiziert und gedanklich diverse Untersuchungen am benannten Bodenbelag durchgeführt. Hat nichts gebracht. Weder ist mein Aufenthalt dadurch spannender geworden, noch hat es etwas an der Tristes der Räume geändert.

Ich musste also umdisponieren und selbst für Kurzweil sorgen. Und das habe ich nun auch, wie ihr sehen könnt. Ich schreibe nämlich jetzt auch hier. Ja, und das sehr ausführlich. Zwar hat mein Handgepäck dadurch dramatisch an Umfang gewonnen – schließlich müssen einige Utensilien dafür zusätzlich transportiert werden – aber ich habe zu tun und die Zeit vergeht. Das ist doch alles, was zählt. Oder?

In diesem Sinne: lasst euch die Zeit nicht zu lang werden.

Eure Anna